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Verkürzen gestufte Studiengänge wirklich die Studiendauer? |
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 | | Büffeln nach der Arbeit? | In Deutschland wird momentan die Umstellung auf Master- und
Bachelorstudiengänge betrieben. Vorrangiges Ziel der Befürworter ist
vor allem die Verkürzung der Studiendauer. Laut Statistik sind die
deutschen Studienzeiten internationalen Vergleich relativ lang. So
betrug die durchschnittliche Studiendauer der Absolventen des Jahrgangs
2002 an deutschen Universitäten über alle Fächergruppen hinweg 6,8
Jahre, an den Fachhochschulen immerhin noch 5,4 Jahre. Allerdings haben
Forscher jetzt herausgefunden, dass gestufte Studiengänge, wie sie im
Bologna-Prozess vorgesehen sind, nicht unbedingt kürzere Studiendauern
bedeuten müssen.
Ein Kernstück des Bologna-Prozesses ist die Einführung eines gestuften
Studiensystems, das in Deutschland wie in den meisten beteiligten
Ländern in Form von Bachelor- und Master-Studiengängen seine Umsetzung
findet. Mit dieser Reform wird an den deutschen Hochschulen neben der
europaweiten Harmonisierung der Studienstrukturen auch eine Erhöhung
des Studienerfolgs und eine Reduzierung der für zu lang befundenen
Studienzeiten angestrebt.
Hauptgrund für die verkürzte Studiendauer ist nach Meinung der Bildungsforscher
vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover in der geringeren
Gestaltungsmöglichkeit des Studienablaufs. In einer internationalen
Untersuchung wurden von Ulrich Heublein und Astrid Schwarzenberger die Auswirkungen
des Bachelor- und Mastersystems in den Ländern Dänemark, England,
Kanada, Niederlande und Österreich verglichen.
Verbindlichkeit des StudienablaufsGroße
Unterschiede zwischen den untersuchten Hochschulsystemen gibt es
hinsichtlich des Strukturierungsgrades und der Verbindlichkeit des
Studienablaufs. Auffallend ist, dass die Regelstudienzeit immer dort
eingehalten wird, wo das Studium stark vorstrukturiert und der
Stundenplan genau vorgegeben ist. Das gilt insbesondere für England und
Kanada sowie für österreichische Fachhochschulen und niederländische
Hogescholen.
Offenere Studiensysteme - längere Studiendauer
Gewisse Unterschiede in der Verbindlichkeit des
Studienablaufs scheint es in den Ländern mit einem „offeneren
Studiensystem“ aber zwischen den einzelnen Fächern zu geben. So sind z.
B. medizinische Studiengänge klarer vorstrukturiert als etwa
Sozialwissenschaften. In Dänemark wurde außerdem festgestellt, dass
Studierende in Studiengängen mit klarem Berufsbild (als Beispiele
nannten die Experten Ingenieurwissenschaften und Zahnmedizin) häufiger
im Rahmen der Regelstudienzeit
bleiben – im Gegensatz zu Studierenden in Studiengängen mit einem
breiten bzw. diffusen Berufsbild, so etwa in den Geisteswissenschaften.
Wie schon berichtet sind in Deutschland bereits ca. 3000 Studiengänge
auf das gestufte Modell umgestellt worden. In Deutschland sind bereits
10% aller Studenten in einen Bachelor- oder Masterstudiengang
eingeschrieben. Bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses ist Deutschland
im europäischen Vergleich damit in der Spitzengruppe. Jedoch bremsen
die Forscher in ihrer Untersuchung die Hoffnung der Politik, dass sich
durch die Umstellung der Studiengänge die Studienzeiten wesentlich
verkürzen und die Kosten damit sinken werden.
Laut der Untersuchung hängt die Studiendauer
nicht nur von der raschen Umstellung auf Bachelor- und
Masterstudiengänge ab. Hinzu kommen noch weitere Faktoren dazu bei.
Insbesondere eine hohe Verbindlichkeit des Studiums ist
Grundvoraussetzung für eine Beschleunigung des Studiums in Deutschland.
Neue Angebote zur Studienfinanzierung notwendig
Der internationale Vergleich hat auch gezeigt, dass die Studiendauer davon abhängt, ob
die regulären Studiengänge durch Teilzeitangebote für Berufstätige oder
Studenten mit eigener Familie ergänzt würden. In den untersuchten
Ländern, in denen die vorgesehene Studiendauer von der Mehrheit der
Studierenden eingehalten wird, besteht ein großer Anteil an Teilzeitstudenten.
Die zeigt nach Meinung der HIS-Forscher, dass Systeme
zur Studienfinanzierung zu entwickeln sind, die das Arbeiten neben dem
Studium und die damit verbundene Studienzeitverlängerung überflüssig
machen. Solche Finanzierungssysteme seien besonders effektiv, wenn "die finanzielle Unterstützung mit dem Studienfortschritt
verknüpft wird".
Ob die geplante Einführung der Studiengebühren in Deutschland dafür förderlich ist...?
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